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Veranstaltungsarchiv 2012

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Bürgermeister Wolfgang Kellner, Landesbischof i.R. D. Horst Hirschler und Dr. Klahr im Rathaussaal Leer
Beim Sprengelempfang sprachen Bürgermeister Wolfgang Kellner (von links), Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr und der Abt von Loccum, Landesbischof i.R. D. Horst Hirschler, am Buß- und Bettag im Alten Rathaussaal in Leer.(Foto: Hannegreth Grundmann)

Freiheit ist ein Geschenk
Landesbischof i.R. D. Horst Hirschler Referent beim Sprengelempfang


Zum diesjährigen Sprengelempfang hatte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr in den Alten Rathaussaal Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bereich Politik, Wirtschaft, Kirche und Kultur nach Leer eingeladen. In seiner Begrüßung bedankte er sich bei den Anwesenden für die gute Zusammenarbeit in den jeweils wichtigen Bereichen der Gesellschaft.

Unter anderem anwesend waren die Landtagsabgeordneten Johanne Modder und Ulf Thiele, Landrat Friedrich Kethorn (Grafschaft Bentheim) und stellvertretender Landrat Herbert Broich (Leer). Ein besonderer Dank ging an Bürgermeister Wolfgang Kellner für seine Gastfreundschaft.

Der Sprengelempfang war die erste öffentliche Veranstaltung, die nach der Einweihung der drei Kaiserfenster im Alten Rathaussaal stattfand. Kellner erzählte in seinem Grußwort davon, dass er mit der Wiederherstellung der Fenster eine Untat der Nazis wieder rückgängig machen wollte. 1934 wurden die Fenster von ihnen ausgebaut und die Wand zugemauert. Im Krieg seien sie zerstört worden. Jetzt seien die drei Kaiser Friedrich I. und II. und Kaiser Wilhelm II. nur schemenhaft zu erkennen, um auf diese Weise die geschichtliche Vergangenheit in die Gegenwart hinein zu holen.

Referent auf dem Sprengelempfang war der Abt von Loccum, D. Horst Hirschler. Dr. Klahr freute sich, dass er nach der Absage von Ministerpräsident a.D. Dr. Günther Beckstein kurzfristig eingesprungen sei. Hirschler habe sich immer wieder ausführlich mit Martin Luther beschäftigt und durch ihn Anstöße für seine Arbeit und Verkündigung erhalten, sei es in der Zeit als Landesbischof, als leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) oder als Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes. Mehrere Veröffentlichungen würden dies bezeugen, vor allem das Buch "Luther ist uns weit voraus".

Auf dem Empfang hielt Hirschler ein Referat zum Thema "Freiheit und Verantwortung aus der Sicht Martin Luthers".

Bevor er die Zuhörer in seine intensive Auseinandersetzung mit der Theologie Martin Luthers mit hinein nahm, sprach er politische und geistesgeschichtliche Themen der jüngeren Vergangenheit an. "Freiheit ist möglich bei uns, und dass wir Verantwortung wahrnehmen können, ist in erster Linie Geschenk", sagte er und erinnerte an das Jahr 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands. "Wir haben schon fast vergessen, dafür dankbar zu sein! Freiheit ist zunächst etwas, das man geschenkt bekommt." Und er fuhr fort: "Autonomie und Wahlfreiheit gehören zu unserer Gesellschaft, doch können wir unsere Eltern aussuchen? Das Land? Das Jahrhundert, in das wir hineingeboren sind?" Wir seien Teil eines autoritären Systems. Wir würden ungefragt in die Welt geworfen und ungefragt wieder abberufen.

Dass die Wahlfreiheit des Menschen eine Illusion sei, hätten auch die Ergebnisse der neueren Gehirnforschung um Wolf Singer ergeben.
Martin Luther habe gerade in der Auseinandersetzung mit dem großen Humanisten Erasmus von Rotterdam gezeigt, dass der freie Wille des Menschen ein leerer Wahn sei. Der Mensch habe in Dingen, die sein ewiges Heil betreffen keine Wahlfreiheit.

Und dennoch mache gerade der Name "Luther" bereits deutlich, dass er sich selbst seit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen am 31. Oktober 1517 in Anklang an das griechische Wort für "frei" "der Freie" nannte. Er habe einen Namenswechsel vollzogen: Von seinem Geburtsnamen "Martin Luder" hin zu "Martin Luther". Diese Freiheit und seine theologische Auffassung habe sich Luther bewahrt. Auch wurde sie ihm geschenkt an dem Tag, als er vor Kaiser und Reich in Worms 1521 nicht von seiner Auffassung abwich.

Mit lebendig erzählten Beispielen aus Luthers Leben, nahm Hirschler die Zuhörer mit in die damalige Zeit. Er verstand es, Luthers Aussage von der Freiheit eines Christenmenschen anschaulich werden zu lassen. Luther sagt in der gleichnamigen Schrift von 1520, ein Christ sei ein freier Herr aller Dinge und ein dienstbarer Knecht aller Dinge.

Der ehemalige Landesbischof der Landeskirche Hannovers fasste seine Ausführungen zusammen: "In der von Christus geschenkten Freiheit müssen wir uns nicht um uns selbst Sorgen machen. Als Christen haben wir in einer gefährdeten Welt Heimat und können frei von der Angst um uns selbst verantwortlich für andere und diese Welt handeln."

Musikalisch gestaltet wurde der Sprengelempfang vom Collegium Musicum unter der Leitung von Hanns-Ulrich Haas. Auf dem nächsten Buß- und Bettagsempfang des Sprengels Ostfriesland wird Ministerpräsident a.D. Dr. Günther Beckstein in der Martin-Luther-Kirche in Emden zum Jahresthema der Reformationsdekade "Toleranz und Politik" sprechen.

(November 2012)

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