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Veranstaltungsarchiv 2015

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Superintendent Burghard Klemenz, Professor Dr. Gerhard Kreutz, Landesbischof Ralf Meister, Professor Dr. Eric Mührel im Martin-Luther Gemeindezentrum Emden
Superintendent Burghard Klemenz, Hochschulpräsident Professor Dr. Gerhard Kreutz, Landesbischof Ralf Meister und der Vizepräsident der Hochschule Emden/Leer, Professor Dr. Eric Mührel eröffneten die Veranstaltungsreihe "Licht" im Gemeindezentrum der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Emden. (Foto: Hannegreth Grundmann)

Von der biblischen Schöpfungsgeschichte zur modernen Lasertechnik
Landesbischof und Hochschulpräsident eröffnen Veranstaltungsreihe zum Internationalen Jahr des Lichts in Emden


Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, und der Präsident der Hochschule Emden/Leer, Professor Dr. Gerhard Kreutz, eröffneten im Gemeindezentrum der Martin-Luther-Kirchengemeinde Emden eine Veranstaltungsreihe zum Thema "Licht". "Schöpfung und Licht. Kein Leben ohne Licht", war das Thema des Abends.

"Dabei waren wir dem Geheimnis unserer Existenz auf der Spur", sagte der Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emden-Leer, Burghard Klemenz, der die Moderation des Abends übernommen hatte. "Dieser Abend vermittelte Zugänge für ein besseres Verständnis füreinander", so Klemenz.

Die Begegnung von Physik und Theologie war eingetaucht in ein besonderes Licht, durch das das Eventteam der Medientechnik der Hochschule Emden/Leer die über 100 Besucher dem dunklen Novemberabend enthoben hatten.

Der Theologe
Landesbischof Meister freute sich darüber, dass Theologe und Physiker in der Demut so nah beieinander seien. Im Umgang mit der Natur und untereinander sei die Demut eine wichtige Grundhaltung.

Der Theologe brachte die Perspektive der biblischen Schöpfungsgeschichte ein. Von Anfang an sei Licht in der Religion ein Symbol für Leben, stehe für Heil und Erkenntnis. Meister sprach aber auch von der Gefahr einer permanenten Beleuchtung. Auch die Dunkelheit gehöre zum Leben dazu. Die Schöpfung in Hell und Dunkel sei unsere Heimat. Licht bringe Ordnung ins Leben und beseitige das Chaos. Die erste Schöpfungsgeschichte der Bibel lege ihren Augenmerk darauf, nicht Sonne, Mond und Sterne anzubeten, sondern Gott selbst als den Ursprung von allem.

Licht sei in der Bibel auch eine Metapher für die Wahrheit, wenn Jesus Christus von sich sage: "Ich bin das Licht der Welt". Im Johannesevangelium werde das Wort ins Licht gefasst. Erst durch das Licht erschließe sich die Welt, das Wort aber deute sie. "Eine Kerze anzünden, ist noch keine Religion", so Meister. Das Ineinander von Wort und Licht käme auch in einem Beispiel aus dem Alltag zum Ausdruck, wenn das ängstliche Kind zur Mutter in der Nacht sage, "wenn Du redest, wird es hell".

"Die älteste Erfindung des Menschen, die Sprache, ist die erste Antwort auf das älteste Medium des Universums und den Beginn der Schöpfung: Das Licht", sagte Meister über den Zusammenhang von Licht und Sprache. Zum Umgang mit dem Licht in der Menschheitsgeschichte sagte der Landesbischof, die Revolution der Beleuchtungssysteme führte zu einem tiefgreifenden Wandel der Arbeits- und Lebensweisen, etwa durch die Möglichkeit zur Nachtarbeit oder zur besseren Kontrolle des nächtlichen Straßenlebens.

Der Physiker
Der Präsident der Hochschule, Professor Dr. Gerhard Kreutz, machte auf die unterschiedlichen Forschungsrichtungen in der Physik aufmerksam und betonte, dass er aus der Sicht eines Elementarteilchenphysikers spreche:

"Die Suche der Physiker nach den Elementarteilchen, das Erkunden der großen Strukturen im Kosmos: All dies dient dazu, mehr Erkenntnisse über die Entstehung der Welt aber auch über uns selber zu erhalten. Dabei hat die Physik in den letzten hundert Jahren große Fortschritte gemacht; viele Fragen nach dem WIE konnten geklärt werden. Aber immer wieder stoßen die Wissenschaftler auch an Grenzen. Und die Beantwortung der Frage nach dem WARUM muss der Physiker anderen überlassen."

Zunächst gab der Physikprofessor einen Überblick über die Vielfalt des Lichtes, sei es als Lichtstrahlen, Lichtwellen, Lichtteilchen und über das weite Spektrum von Licht, von dem der Mensch überhaupt nur einen kleinen Teil wahrnehmen könne. "Licht ist viel mehr, als wir sehen können. Wir können nur einen schmalen Ausschnitt von einem riesigen Spektrum des elektromagnetischen Bereichs sehen", so Kreutz.

Der Hochschulpräsident stellte dann das Erklärungsmodell zur Entstehung und Entwicklung des 14 Milliarden Jahre alten Universums vor. Dies ließe sich aus zwei Beobachtungen ableiten, der Expansion des Alls und der Hintergrundstrahlung aus der Zeit kurz nach dem Urknall. Als Physiker gehe er davon aus, dass am Anfang ein unvorstellbares Nichts da war, auch kein Raum. Der Raum bildete sich erst und dehne sich immer weiter aus. Zu beobachten seien auch Feinabstimmungen von Naturkonstanten. Wenn diese sich nur an einer Stelle ändern würden, hätte das fatale Auswirkungen. Auf die Frage, wo die Naturkonstanten herkämen, könne die Physik keine Antwort geben.

Physik und Theologie - keine Gegensätze
"Im Urknall entsteht alles aus Gott selbst"

Im anschließenden Gespräch wurde durch die Fragen der aufmerksamen Zuhörer noch einmal deutlich, dass der Theologe und der Physiker keine Gegensätze vorgestellt haben, sondern es sich um andere Zugänge handle. Die Theologie bringe ein Weltbild zur Sprache, um die Welt zu deuten, und die Physik biete aus ihren Beobachtungen heraus ein Erklärungsmodell an. Der Landesbischof sagte zusammenfassend: "Im Urknall entsteht alles aus Gott selbst. Ein Gegensatz aus Schöpfung und Evolution sei den biblischen Zeugnissen fremd."

Des Weiteren zeige die Schöpfungsgeschichte, Gott gebe dem Menschen Verantwortung, die Schöpfung zukunftsfähig zu verwalten und mit den Mitmenschen in Frieden zu leben."

Das Internationale Jahr des Lichts
2015 begehen die Vereinten Nationen das "Internationale Jahr des Lichts". Aus diesem Anlass bietet die Hochschule Emden/Leer in Kooperation mit dem Evangelisch-lutherischen Sprengel Ostfriesland-Ems und der Kulturkirche Martin-Luther Emden eine Veranstaltungsreihe zu diesem Thema an. Drei Vortragsabende widmen sich dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und spannen den Bogen von der biblischen Schöpfungsgeschichte bis zur modernen Lasertechnik. An einem vierten Abend werden "leuchtende" Exponate zur Lasertechnik in der Martin-Luther-Kirche präsentiert und anschaulich erklärt.

Das Jahr soll an die Bedeutung von Licht als elementare Lebensvoraussetzung für Menschen, Tiere und Pflanzen und daher auch als zentraler Bestandteil von Wissenschaft und Kultur erinnern.

Das weitere Programm:
Montag, 30. November 2015, 19.00 Uhr:
"Medizin und Licht. Mit Licht heilen"

Dr. med. Knut Busching aus Leer stellt Einsatzmöglichkeiten der Lasertechnik in der Medizin vor und Dr. theol. Markus Hundeck von der Hochschule Emden/Leer nimmt medizinethische Gesichtspunkte in den Blick.
Moderation: Professor Dr. Eric Mührel, Vizepräsident der Hochschule Emden/Leer

Montag, 07. Dezember 2015, 19.00 Uhr:
"Architektur und Licht. Lichte Räume"

Der Leiter des Amtes für Bau- und Kunstpflege der Evangelisch- lutherischen Landeskirche Hannovers in Osnabrück, der Architekt Detlef Abel, und der Referent für Kunst und Kultur der Landeskirche Hannovers im Haus kirchlicher Dienste in Hannover, Pastor Achim Kunze, betrachten das Licht als Baustoff der kirchlichen Architektur und gehen der Frage nach, wie das Licht Kirchenräume beeinflusst und in ihnen wirkt.
Moderation: Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, Ev.-luth. Sprengel Ostfriesland-Ems

Montag, 14. Dezember 2015, 19.00 Uhr:
"Lasertechnik in der Kirche"

Die Arbeitsgruppen des Instituts für Laser und Optik präsentieren "leuchtende" Exponate mit Anwendungen optischer Technologien und Lasertechnik. Der Direktor des Instituts, Professor Dr. Walter Neu, AG Laser in Medizin, Mikroskopie und Analytik an der Hochschule Emden/Leer, begleitet und erläutert die Ausstellung der Exponate zur Lasertechnik in der Kulturkirche Martin-Luther in Emden, Bollwerkstraße 9.

Die Exponate:
Lichtwellenleiter, "Leuchtende optische Fasern", Sensortechnik mit optischen Fasern, Halbleiterlaser unter dem Mikroskop zeigen die Möglichkeiten optischer Kommunikationstechnik.
Spektroskopie kann Licht in seine Farben zerlegen. Exponate erläutern, was eine Glühbirne, Energiesparleuchte und LED spektral unterscheidet und wie leuchtende Farbstoffe funktionieren.
Exponate zur Laser-Materialbearbeitung von Metall, Holz und Kunststoff zeigen Fertigungsmöglichkeiten mit Lasertechnik.
Exponate von Laserkristallen, Blitzlampen, aus der Optik und Komponenten aus Lasern veranschaulichen die Laserentwicklung.
Exponate zur Mikromaterialbearbeitung mit Ultrakurzzeitpulsen, wie z.B. eine Lasergravur auf einem Haar.
Video und Posterpräsentationen geben Einblicke des Einsatzes von Lasertechnik in Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im ILO, wie z.B. Herz- und Augen-Operationen, Kehlkopfchirurgie, Ultrakurzzeitprozesse und intensive Laserpulse, Mikroskopieentwicklung sowie Lasermaterialbearbeitung.

(November 2015)

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