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Veranstaltungsarchiv 2013

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Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr und Dr. Hans-Christian Kammler (Tübingen)
Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr freute sich, dass Dr. Hans-Christian Kammler aus Tübingen seiner Einladung in die Johannes a Lasco Bibliothek nach Emden gefolgt war und dort das Thema "Tod, Trauer,Trost" aus biblischer Perspektive vorstellte. (Foto: Privat)

Tod, Trost und Trauer in biblischer Perspektive
Erfolgreiche Tagung in der Johannes a Lasco Bibliothek über ein schwieriges Thema


Anonyme Bestattungen, Beerdigungen ohne Pastor und verwaiste Friedhöfe: Angesichts rasanter gesellschaftlicher Veränderungen müssen die Themen Tod, Trost und Trauer aus dem Tabu herausgeholt und öffentlich diskutiert werden.

Einen Beitrag dazu leistete eine Tagung mit etwa 100 Zuhörern am Donnerstag in der Johannes a Lasco Bibliothek. Sie wurde von der Initiative "Lebendiges Erbgut" initiiert, die sich um Wissensvermittlung rund um Sterben und Begraben in den nördlichen Niederlanden und Nordwestdeutschland bemüht.

Als Net(z)werkprojekt der EDR schließt sie sich nahtlos an die Initiative "Memento Mori" an, die sich in den letzten beiden Jahren in Ostfriesland und im Raum Groningen einen Namen gemacht hat.

Diese Tagung über "Tod, Trauer und Trost in biblischer Perspektive" war zugleich die erste ökumenische Tagung, die überhaupt in Ostfriesland stattgefunden hat. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus Ostfriesland, sondern auch aus Oldenburg, dem südlichen Emsland und den benachbarten Niederlanden.

Die Tagung wurde durch die Mitarbeiter der Ostfriesischen Landschaft organisiert, aber inhaltlich von den drei großen Konfessionen in Ostfriesland, der evangelisch-lutherischen Landeskirche, Sprengel Ostfriesland, der evangelisch-reformierten Kirche und dem katholischen Dekanat Ostfriesland getragen.

Die Vorträge waren keine ganz leichte Kost für die Teilnehmer. Die beiden niederländischen Theologen sorgten mit ihren Beiträgen außerdem für überraschende Perspektivwechsel.

Zunächst erläuterte Privatdozent Dr. Hans-Christian Kammler aus Tübingen, dass noch im Alten Testament der Tod als das Ende der Gottesbeziehung des Einzelnen verstanden wurde. Das frühe Judentum kannte noch keine Jenseitsvorstellung. Erst mit dem Osterereignis im Neuen Testament sei die Trennung von Gott durch den Tod aufgehoben und eine Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus möglich geworden.

Der Theologe Prof. Dr. Gerard den Hertog aus Apeldoorn zeigte auf, dass der moderne Mensch in einer gottlosen Gesellschaft des Himmels beraubt worden sei. Der Tod werde verdrängt und das Rentenalter oft als "Paradies" angesehen. Tatsächlich bleibe der Tod im Leben des Menschen dennoch wirksam. Hier müsse die Kirche anknüpfen, um in der Trauer die Hoffnung auf Gott vermitteln zu können.

Nach dem Mittagsimbiss leitete der Theologe Dr. Christoph Jedan von der Rijksuniversiteit Groningen mit seinem Vortrag über "Trost durch Argumente: Bestandsaufnahme einer christlich-philosophischen Tradition" zum praktischen Teil der Tagung über. Er verknüpfte die Trost-Argumentation der antiken Philosophen mit christlichen Theologie und moderner Trauerarbeit.

Die Tagung wurde abgeschlossen durch eine Podiumsdiskussion von aktiven Theologen, die von Hilke Klüver, Pastorin im ev.-ref. Landeskirchenamt, moderiert wurde.

Der katholische Diakon Dr. Richard Goritzka aus Bremen tauschte sich mit der ev.-luth. Superintendentin Angela Grimm aus Esens und dem ev.-ref. Pastor i.R. Reinhard Uthoff aus Greetsiel über die praktischen Probleme des Tröstens aus. Dabei wurde die Theorie heruntergebrochen auf die Ebene der Seelsorge.

In einem Trauerfall sei das Trösten ein Beziehungsgeschehen, in dem die Haltung des Pastors von Demut und Respekt vor den Betroffenen geprägt sein müsse. Die Trauernden müssten in ihren heute so unterschiedlichen Trauerkulturen abgeholt werden, und in einer schwierigen Gratwanderung sei Glaubenshilfe sei dann immer auch Lebenshilfe.

Die Initiative "Lebendiges Erbgut" wird nach diesem erfolgreichen Auftakt in den nächsten Monaten eine Reihe weiterer Veranstaltungen anbieten. Den Abschluss wird eine Tagung am 20. Juni 2014 in Groningen bilden, bei der Tod Trauer und Trost aus kultureller Perspektive beleuchtet werden.

Und weil diese erste ökumenische Tagung Ostfrieslands so gut angenommen wurde, sollen unabhängig von der deutsch-niederländischen Initiative zu Sterben und Begraben in den nächsten Jahren weitere Veranstaltungen folgen, die sich auch anderen Themen von allgemeinem Interesse zuwenden sollen.

(September 2013)

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