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Veranstaltungsarchiv 2013

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Dr. Reitemeyer, Dr. Frey, Ministerin Dr. Wanka, Dr. Bode und Dr. Klahr im LWH-Lingen
Der Leiter des Ludwig-Windthorst-Hauses in Lingen, Dr. Michael Reitemeyer (von links), moderierte die Podiumsdiskussion in der Festveranstaltung zum 50jährigen Jubiläum der katholischen Bildungsakademie zum Thema "Privatsache Religion - Christentum im Spannungsfeld zwischen religiöser Überzeugung und säkularem Staat" mit dem Chefredakteur des ZDF und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Dr. Peter Frey, der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professorin Dr. Johanna Wanka, dem Bischof von Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, und dem Landessuperintendenten des Evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland, Dr. Detlef Klahr.(Foto: Ulrich Hirndorf)

"Werte werden durch Diskurs und Bildung gestaltet"
Prominent besetzte Talkrunde im Ludwig-Windthorst-Haus diskutiert über die Zukunft des Christentums


Lingen/Emsland-Bentheim. Mutiert das Christentum im Spannungsfeld zwischen religiöser Überzeugung und säkularem Staat immer mehr zur reinen Privatsache?

Dieser Frage stellten sich anlässlich des 50 jährigen Bestehens der katholischen Bildungsakademie "Ludwig-Windthorst-Haus" in Lingen prominente Vertreter aus Kirche und Gesellschaft.

Vor über 300 Gästen sorgte ZDF-Chefredakteur Peter Frey in seinem Impulsreferat für das nötige "Futter" der Runde, die mit Bischof Franz-Josef Bode (Bistum Osnabrück), Landessuperintendent Detlef Klahr (Sprengel Ostfriesland), Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, LWH Leiter Michael Reitemeyer und Frey selbst hochkarätig besetzt war.

Die katholische Kirche erscheine ihm "als Vereinigung alter Männer". Er attestierte ihr "manch Kaltherzigkeit und Angst vor Veränderung, anstatt furchtlos die Welt mitzugestalten." Frey, der Mitglied des Zentralkomitees deutscher Katholiken ist, sowie als Beirat im Hilfswerk Misereor viele, wie er es nannte "durch Glaube, Arbeit und Solidarität geprägte" Erfahrungen sammeln konnte, forderte von den Kirchenvertretern Dialogbereitschaft, Offenheit und gelebte Glaubenspraxis statt der Präsentation akademisch-theologischer Dimensionen.

Regionalbischof Klahr griff diesen Aspekt auf und erinnerte daran, dass es gleichwohl auf die Offenlegung des Glaubens durch den Einzelnen ankomme. Es mache einen Unterschied, ob er als Pastor ("das muss der ja sagen!"), oder damals in seinem zunächst erlernten Beruf als Briefträger einen Choral gepfiffen habe oder von seinem kirchlichen Engagement berichtete. Als Postbote habe er sich immer dafür rechtfertigen müssen und habe seitdem Respekt vor Leuten, die ihren Glauben nicht im Privaten beließen.

Bischof Bode gab zu bedenken, dass man bloß nicht mit der Tür ins Haus fallen solle, denn es gäbe immer viele Vorurteile. Wenn es sich ergebe, solle man sich einbringen und dann aber bestimmt bekennen, was man glaube.

Die in Sachsen aufgewachsene Bildungsministerin Wanka schätzte gerade die evangelische Tradition des öffentlichen Diskurses und die politische Einmischung gerade der Protestanten in der Wendezeit. Hier denke sie immer mehr an Freiheit und Diskussion, während die katholische Kirche monolithisch wirke und sich auch in der DDR nicht politisch eingebracht habe.

Für den Einzelnen gehe es aber nach wie vor um existenzielle Fragen, die er mit Hilfe christlicher Gemeinschaft beantworten könnte: "Was ist wichtig? Was will ich mit meinem Leben für mich, für andere?" Dafür brauche man in Europa und Deutschland einen offenen Diskurs. Gerade im Hinblick auf die durch Migration bedingte Notwendigkeit, scheinbar selbstverständliche, christlich geprägte Werte zu hinterfragen oder zu bekennen.

Bode und Klahr waren sich darüber einig, dass es immer um die Frage gehen müsse, was dem einzelnen Menschen heilig sei.

Diese gemeinsamen Werte ständen zunächst vor aller Moralität, "aber", so Klahr, "das Ringen um Werte im Alltäglichen oder als christlicher Politiker muss zur Folge haben, das erkennbar wird, welchen Standpunkt ich aus meinem Glauben heraus gewonnen habe."

Dabei, so Bode, müsse Kirche zu einem Forum werden und ihre Dialogfähigkeit unter Beweis stellen. Sie müsse aus sich selbst herauskommen, um dem Narzissmusvorwurf zu begegnen und Menschen im Diskurs zusammenbringen. Dazu gehöre auch eine neu zu überdenkende Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche und ihren administrativen Leitungsämtern.

Einen Appell richtete Klahr in seinem Schlusswort an alle Zuhörenden, indem er die Verantwortung von Institution und persönlichem Glauben in einer sich verändernden Gesellschaft gleichstellte: "Im privaten, wie im öffentlichen Raum muss klar sein, man gestaltet Werte durch Diskurs und Bildung."

(August 2013)

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