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Veranstaltungsarchiv 2013

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Landesuperintendent Dr. Detlef Klahr und der Künstler Uwe Appold in der Martin-Luther-Kirche in Emden
Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (von links), der Künstler Uwe Appold, der stellvertretende Direktor des Landesmuseums Emden, Dr. Wolfgang Jahn, und Dr. Annette Kanzenbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Landesmuseum Emden, haben während der Pressekonferenz in der Martin-Luther-Kirche in Emden Auskunft gegeben über das gemeinsame Projekt "Kunst und Literatur in der Passionszeit". (Foto: Dr. Hannegreth Grundmann)

Kunst in der Kirche mehrt die Perspektiven
Kunst und Literatur in der Passionszeit in Emden


öso. Emden. In der Martin-Luther-Kirche in Emden entwickelt sich durch die Installation der Bilder des Künstlers Uwe Appold aus Flensburg eine besondere Atmosphäre.

"Durch Kunst in der Kirche mehren sich die Perspektiven", freut sich Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr über die von ihm initiierte Ausstellung in der Kirche.

Erstmals werden die 15 Bilder in dieser Zusammenstellung gezeigt. Das 2 m x 2 m große blau-goldene Bild zum "Vaterunser" auf dem Altar ist zentrierend für diesen Raum und nun dem großen Fensterbild "Phoenix aus der Asche" gegenübergestellt. Dieses Fensterbild zeige die besondere Beziehung dieser Kirche zu Emden, betonte der Künstler Uwe Appold. Wie der Phoenix aus der Asche aufsteige, so sei die zerstörte Stadt nach dem Krieg aus Schutt und Asche wieder aufgebaut worden.

Der Künstler erzählte davon, wie er als Zwölfjähriger 1954 zum ersten Mal in Emden war. Er war mit dem Fahrrad von seiner Heimatstadt Wilhelmshaven nach Emden gefahren und hatte dort in den Trümmern Steine gesammelt. Die Stadt konnte wieder aufgebaut werden, aber Appold fragt, was ist mit den Menschen, die im Krieg zu Asche wurden?

In dem Bilderzyklus "Wieder ist Gott reisefertig" zu sieben Gedichten von Nelly Sachs setzt der Künstler sich mit dem Leiden der Juden während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auseinander. Ein Leben lang haben ihn diese Gedichte beschäftigt, und er hat sich immer gesagt, wenn er einmal älter ist, werde er dazu etwas gestalten.

Im Frühjahr 2007 hat er mit 65 Jahren diesen Zyklus in sieben Bildern im Format von jeweils 1,53 m x 0,83 m gemalt. Dazu verwendete er Erde aus dem Konzentrationslager Neuengamme, Asche, Stroh, Frauenhaar und Textilien.

"Der Arbeitsstil des Künstlers ist eigentlich keiner klassischen Kunstrichtung zuzuordnen", stellte Dr. Annette Kanzenbach vom Landesmuseum Emden fest. Und sie ergänzte, seine expressiven Werke seien in ihrer Art unmittelbar berührend.

Diese Bilder werden jeweils mittwochs um 18.15 Uhr im "Rummel" des Landesmuseums Emden an die Wand projiziert und dort aus kunstgeschichtlicher Sicht besprochen. Neben den Gedichten von Nelly Sachs kommen dort auch Texte aus der Bibel zur Sprache, die sich in der Passionszeit, den sieben Wochen vor Ostern, dem Thema "Leiden" stellen.

Der stellvertretende Direktor des Landesmuseum, Dr. Wolfgang Jahn, freut sich über die mittlerweile fünfjährige Zusammenarbeit zwischen dem Landesmuseum und den lutherischen Kirchengemeinden Emdens, die gemeinsam die Passionsandachten im "Rummel" veranstalten. Auf diese Weise habe auch das Landesmuseum eine wachsende Aufmerksamkeit erfahren und es werde eine Gelegenheit geboten, Kunstwerke einmal anders zu sehen, so Dr. Jahn.

In den Andachten versammeln sich Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen. "Konfessionen spielen hier keine Rolle. Es geht um grundsätzliche Inhalte und eine besondere Art der Kunstvermittlung", ergänzte Dr. Annette Kanzenbach.

Uwe Appold betonte, dass er besonderen Wert lege auf eine "Geh hin - Kunst", das heißt, Kunstwerke an anderen Orten zu zeigen, sei es an Orten des Alltags, wie etwa in einem Einkaufszentrum, oder in Kirchen.

In der Martin-Luther-Kirche in Emden stehen dem Zyklus zu den Gedichten von Nelly Sachs sieben Bilder zu zentralen Aussagen des christlichen Glaubens gegenüber. Die in ihrer Farbe kräftigen Bilder zu den sieben "Ich-bin-Worten" Jesu aus dem Johannesevangelium sind jeweils 2,22 m x 2,22 m groß. In ihrer Größe und Gestaltung stecken sie voll christlicher Symbolik.

"Kräftige Aussagen brauchen kräftige Farben", sagte Appold. Für ihn sind die sieben "Ich-bin-Worte" die größte Revolution, die er sich in jener Zeit vorstellen konnte, weil sie Jesus letztlich das Leben gekostet haben.

An den kommenden Sonntagen werden bis zum Osterfest diese sieben Bilder und Worte im Gottesdienst um 11.00 Uhr in der Predigt ausgelegt. In der Woche vor Ostern wird Dr. Klahr täglich von montags bis freitags um 18.15 Uhr Texte zum Vaterunserbild lesen.

Die Ausstellungseröffnung wird am Sonntag, den 10. Februar 2013 um 11.00 Uhr in einem Gottesdienst stattfinden, in dem Landessuperintendent Dr. Klahr über eines der Bilder predigt und auch der Künstler Uwe Appold sprechen wird.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind vom 10. Februar bis zum 1. April 2013 jeweils mittwochs von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr und samstags und sonntags von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr zu sehen.

(Februar 2013)

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