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Veranstaltungsarchiv 2012

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Bildungsgerechtigkeit in Ostfriesland
Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (von links), Regierungsschuldirektorin Gerta Berghaus von der Niedersächsischen Schulbehörde, der Direktor der Ostfriesischen Landschaft Rolf Bärenfänger, Reinhard Hegewald (MdL), Schulleiter Dr. Josef Kaufhold und Pastorin Ina Schulz, Beauftragte für Kirche und Schule im Sprengel Ostfriesland, wurden von der Geschäftsführerin der Arbeitsstelle für Religionspädagogik in Ostfriesland, Ute-Beyer Henneberger (nicht auf dem Foto), zur Veranstaltung "Das soll Schule machen!" im Forum der Ostfriesischen Landschaft in Aurich begrüßt. (Foto: Hannegreth Grundmann)

"Geiht nich - gifft nich!" - Bildungsgerechtigkeit in Ostfriesland

öso. Aurich. Ostfriesland. Unter dem Thema "Das soll Schule machen! Bildungschancen in der Grundschule" hatten die Arbeitsstelle für Religionspädagogik Ostfriesland (ARO), das Regionale Pädagogische Zentrum (RPZ), die Beauftragte für Kirche und Schule im Sprengel Ostfriesland, Ina Schulz, und Gudrun Stüber als Vertreterin der Bildungsregion Ostfriesland nach Aurich eingeladen.

Den rund 70 Gästen im Forum der Ostfriesischen Landschaft stellten sich drei durch ihre besondere pädagogische Arbeit ausgezeichnete Grundschulen aus England und Ostfriesland vor.

"Eine gute Schule braucht bestimmte Bedingungen", sagte die Beauftragte des Sprengels Ostfriesland für Kirche und Schule, Pastorin Ina Schulz aus Emden. Und sie fuhr fort: "Dafür setzt sich Kirche ein. Dafür setzen wir heute uns mit dieser Veranstaltung ein. Das bleibt eine politische Forderung."

Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr unterstützte dies in seinem Grußwort: "Der enorme Einsatz der Reformation für die Bildung war eine ganz klare Ansage, dass Bildung für alle möglich sein soll. Das hat die Bildung demokratisiert. Bildung sollte im Sinne Martin Luthers nicht nur für wenige Auserwählte möglich sein, sondern für alle. An diesem Grundsatz ist nicht zu wackeln. Im Gegenteil, er ist mit allen Mitteln in unserer Gesellschaft zu fördern."

Vor zwei Jahren hat die Armutskonferenz Ostfriesland das Thema "Bildungsgerechtigkeit" auf den Weg gebracht. "Dies ist die zweite Veranstaltung, auf der wir die Frage voranbringen wollen, wie Bildungschancen von benachteiligten Kindern verbessert werden können", sagte Dr. Brigitta Kasper-Heuermann (RPZ).

Ute Beyer-Henneberger (ARO) freute sich darüber, dass in diesem Jahr der Blick über den Tellerrand nach England gelungen sei. Der gegenseitige Besuch von fünf Religionslehrerinnen aus Ostfriesland und England im vergangenen Jahr habe dies ermöglicht.

So war Christine Smyth, Schulleiterin der kirchlichen "Primary School" in Cheam/ London eigens für diese Veranstaltung nach Aurich gereist. Im englischen Schulkonzept gibt es keine Unterteilung zwischen Kindergarten und Schule. Die Kinder werden dort im Alter von drei bis elf Jahren unterrichtet. Ihre Persönlichkeitsentwicklung, das soziale Verhalten und die Sprachentwicklung werden dabei besonders gefördert. Jedes Kind wird mit seinen eigenen Begabungen und Fähigkeiten ernst genommen. "Spielen ist das Vehikel, um zu lernen", betonte Christine Smyth, und das geschehe unter Anleitung dafür eigens ausgebildeter Lehrer.

"Geiht nich - gifft nich", fasste die Schulleiterin der Grundschule am Ottermeer in Wiesmoor, Manuela Stadtlander-Lüschen, ihre Erfahrungen zusammen. Was ab 2013 in ganz Niedersachsen möglich sein soll, nämlich, dass Kinder mit Handicap Wohnort nah eine Schule besuchen können, ist in Wiesmoor an der offenen Ganztagsschule mit sonderpädagogischem Schulzweig und Schuleingangsstufe schon seit 1994 möglich. Dort ist das Prinzip des gegenseitigen Helfens selbstverständlich geworden. Alle Schüler werden gleich wertgeschätzt. Der Umgang mit der Vielfalt im Unterricht sei selbstverständlich.

Von den 200 Schülerinnen und Schülern haben 20 Prozent einen besonderen Förderbedarf, seien es Kinder mit besonderem Sozialverhalten oder hochbegabte Kinder. Für Stadtlander-Lüschen ist die Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule Basis für einen optimalen Schulstart.

Der Schulleiter der Grundschule "Grüner Weg" in Emden, Dr. Josef Kaufhold, präsentierte seine Ganztagsschule, eine Grundschule mit Schulkindergarten und Sprachheilklassen. Sie liegt im sozialen Brennpunkt Emden-Barenburg. Von den 270 Schülerinnen und Schülern haben 148 einen Migrationshintergrund. Mitte der 1980er Jahre gab es schon Schüler aus über 16 Nationen an der Schule. Das Lehrerkollegium spricht sieben Sprachen.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden Sprachheilklassen und Sprachgruppen, doch es gebe ein großes Problem: "Die Kinder sprechen zu Hause eine andere Sprache als in der Schule", so Dr. Kaufhold. Begeistert erzählte er von dem großen Schulhof und dem Schulgarten. "Seitdem wir den Schulgarten haben, ist die Gewalt unter den Schülern zurückgegangen." Als problematisch sieht er die Finanzierung des Personals an. Ihre Stellen seien oftmals nur auf zwei Jahre befristet. "Wir brauchen aber Zuverlässigkeit!", so der Schulleiter.

(Juni 2012)

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