banner-kreuz (9K)

Veranstaltungsarchiv 2011

Für den vorhergehenden Artikel bitte auf das Bild klicken...

Übersicht: 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | Archiv Startseite

Landessuperintendent Dr. Klahr besuchte die Justizvollzugsanstalt Meppen
Landessuperintendent Dr. Klahr (Mitte) spricht in der Kapelle der Justizvollzugsanstalt Meppen mit Prädikant Fritz-Georg Schnorr (links) und Pastor Ulli Schönrock (rechts) über ihre Arbeit als Gefängnisseelsorger. (Foto: Privat)

Landessuperintendent Dr. Klahr besuchte die Justizvollzugsanstalt Meppen - Gespräch mit Anstaltsleitung und Inhaftierten

öso. Meppen. Im Rahmen der Visitation des Kirchenkreises Emsland-Bentheim besuchte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr die Justizvollzugsanstalt (JVA) Meppen-Versen. Zu Beginn sprach er mit dem Anstaltsleiter, dem leitendenden Regierungsdirektor Bruno Bode, und mit seinem Stellvertreter, Hubert Fielers.

Neben der JVA Lingen, Kaiserstraße, dem offenen Vollzug in Lingen - Damaschke und JVA Groß Hesepe ist die Anstalt die vierte Justizvollzugsanstalt im Kirchenkreis. Drei hauptamtliche Seelsorger und ein ehrenamtlichen Seelsorgehelfer betreuen mit rund 1400 Inhaftierten ein Viertel aller niedersächsischen Gefangenen.

Die JVA Meppen war bis 1982 eine Abteilung der JVA Lingen. Seitdem ist sie eine eigenständige Einrichtung des Justizvollzuges für Erwachsene, männliche Strafgefangene mit einer Haftzeit bis zu acht Jahren, in Ausnahmefällen bis zu 15 Jahren. Zur JVA Meppen gehören eine Abteilung des offenen Vollzuges mit rund 30 Haftplätzen im Meppener Stadtteil Nödike sowie die Abteilung Aurich mit ca. 40 Haftplätzen für die Untersuchungshaft.

Hervorgegangen ist die JVA Meppen aus dem ehemaligen Emslandlager IX aus der Zeit des Dritten Reiches. Als baulicher Zeitzeuge befindet sich noch eine Baracke des ehemaligen Lagers auf dem Gelände, in der heute die Arbeitstherapie untergebracht ist.

Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Landessuperintendent Dr. Klahr standen neben der geschichtlichen Komponente vor allem die Situation der Inhaftierten und ihrer Angehörigen. Dabei kam auch die gute ökumenische Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Seelsorger in einem interkonfessionell geprägten Umfeld zur Sprache.

Ein Rundgang durch die JVA vermittelte Dr. Klahr einen Eindruck zu den Arbeits-, Unterbringungs-, und Freizeitmöglichkeiten und zu den Bildungs-, Weiterbildungs- und Therapiemöglichkeiten.

In einem Gespräch mit den Seelsorgern, Pastor Ulli Schönrock und Prädikant Fritz-Georg Schnorr kam das Arbeitsfeld evangelischer Gefängnisseelsorge in den Blick. Der Regionalbischof betonte, Gefängnisseelsorge setze den Auftrag Jesu um, der gesagt hatte: "Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht."

Ein wichtiges Augenmerk lag auf der Situation von Angehörigen Inhaftierter. Sie sind mit ihren psychischen, sozialen und materiellen Problemen oftmals allein gelassen.

Da etwa 95 Prozent der Inhaftierten männlich sind, sind in der Regel Frauen als Angehörige von der Inhaftierung des Ehemannes oder Partners betroffen. Sie sind plötzlich und meistens unvorbereitet damit konfrontiert, die Verantwortung für die soziale und materielle Versorgung für sich selbst und die Kinder allein zu übernehmen. Es wurde deutlich, dass durch Vollstreckung einer Freiheitsstrafe eines Elternteils die Kinder besonders betroffen sind. Sie verlieren Halt und Sicherheit und erleben Angst, Enttäuschung und den Verlust von sozialen Kontakten.

Um dieser Situation künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen, soll das Projekt "WarteZeit" am 1. November für drei Jahre starten. Es gibt Beratungs- und Unterstützungsangebote an Betroffene weiter, entwickelt Angebote und Maßnahmen zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung partnerschaftlicher und familiärer Beziehungen und ermöglicht Unterstützung bei der Eingewöhnung in das Leben in Freiheit und (Wieder-) Teilhabe an Gesellschaft und Kirche.

Finanziell getragen wird das Projekt vom Diakonischen Werk der Landeskirche Hanovers, dem Kirchenkreis Emsland-Bentheim, privaten Spenden und dem Sprengel Ostfriesland.

In einer Gesprächsrunde mit Inhaftierten bekam der Regionalbischof einen Eindruck von den Haftbedingungen und den Fragen und Problemen der Inhaftierten. Dr. Klahr zeigte sich vom dem offenen Gespräch sehr berührt.

Da viele der Inhaftierten Mitglieder des Chores der JVA sind, ergab es sich fast wie selbstverständlich, dass ein gemeinsam gesungener irischer Segenswunsch am Ende dieses Besuches stand. (Oktober 2011)

Archiv 2010-2015 | Ev.-luth. Sprengel Ostfriesland-Ems 2020   |   Impressum / Kontakt   |   Datenschutzerklärung   |   Seitenanfang